UrbanInn: Wohnen

Gefördert durch Land und Europäische Union (EFRE)

Aktuelle Wohnsituation

In der Unterinntalfurche lassen sich bezüglich des Wohnungsmarktes in den letzten Jahr-zehnten sehr dynamische Entwicklungen erkennen. Die Anzahl der Wohnungen ist seit den 1990er Jahren kontinuierlich angestiegen.

Insbesondere die verdichteten Räume um Wörgl und Kufstein verzeichnen Zunahmen der Wohnungszahlen von über 30% (Wörgl 35% und Kufstein 32%) (vgl. Amt der Tiroler Lan-desregierung o.J.). Aber auch im näheren Speckgürtel um die Städte gibt es wachsende Woh-nungszahlen von bis zu knapp 29% (Kirchbichl und Kundl) bzw. 32% in Breitenbach am Inn. Die Umlandgemeinden sehen in den steigenden Bevölkerungszahlen durchaus Potential für eine positive Entwicklung. Problematisch ist jedoch, dass die Gemeinden auch die soziale Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten zu Verfügung stellen müssen und dadurch finanzielle Belastungen steigen (vgl. Expert_inneninterview Huber).

In Wörgl sowie in Kufstein wohnt außerdem der Großteil der Singlehaushalte. Fast 50% machen sie 2011 in Kufstein aus, sowie 40% in Wörgl (vgl. Statistik Austria 2016c). Diese hohe Anzahl an Haushalten, insbesondere der Einpersonenhaushalte, hat eine erhöhte Nachfrage nach Wohnraum zur Folge. In den ländlichen Gemeinden entlang der Nordterrasse liegt der Anteil der Singlehaushalte lediglich bei knapp 20%. Aufgrund der hohen Anzahl an Einpersonen-haushalten, insbesondere in den Städten und deren Umlandgemeinden, lässt sich ein Trend hin zur Individualisierung erkennen Hier finden sie u.a. auch ein größeres Angebot an Bil-dungs- und Kultureinrichtungen vor (vgl. ebd. 2016c). Da hingegen ist der Anteil der Fami-lien mit Kindern an den Gesamthaushalten in ländlichen Gemeinden wie Mariastein (51%), Breitenbach am Inn (45%) und Angath (44%) ein höherer (vgl. ebd. 2016 c). Die urbaneren Zentren Kufstein und Wörgl, aber auch Brixlegg und Kirchbichl weisen nur einen Anteil von knapp 25-30% auf (vgl. ebd. 2016c). Daraus lässt sich schließen, dass vor allem Fami-lien mit Kindern städtische Regionen häufiger meiden. Sie suchen vorwiegend ihren Wohn-standort in den ländlicheren Räumen entlang der Nordterrasse. Singlehaushalte sind auf-grund der mangelnden kulturellen Angebote in diesen Gebieten weniger vertreten. Nicht nur die hohen Wohnpreise in den Städten (wenn es kein gemeinnütziger Wohnbau ist) führen dazu, dass Familien in den Umlandgemeinden leben (vgl. Experten_inneninterview Huber), sondern auch der Wunsch nach dem Einfamilienhaus im Grünen lässt sie dort siedeln.

Wohn – und Arbeitsorte

Anhand der Haushalts- und Familienstrukturen konnte gezeigt werden, wie unterschiedlich sich die Gemeinden entwickeln und wo die verschiedenen Bevölkerungsgruppen ihren Woh-nort finden. Zusätzlich wurde anhand der Pendlerdaten eruiert, welche Gemeinde als ein Wohn- bzw. Arbeitsort deklariert werden kann (Karte 7). Anhand der Pendlerdaten der Er-werbstätigen aus dem Jahr 2014, wurde aus den Ein- und Auspendlern eine Quote errechnet. Liegt der Wert über „> 1“ wird die Gemeinde als Arbeitsort ausgewiesen, liegt der Wert unter „< 1“ wird sie als Wohnort bezeichnet. Ein Arbeitsort ist daher ein Ort, der mehr Ein-pendlern einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, als Beschäftigte die Gemeinde verlassen (Läpple & Soyka 2007: 46).

Bild: Wohn- und Arbeitsorte nach Situation der Ein- und Auspendler_innen (2016)
aus der Projektstudie UrbanInn (Uibk, 2018)

Dieser Aspekt ist interessant, da der Wohnbau häufig an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt ist. Dadurch gibt es besonders in den urbanen Räumen, wie Kufstein und Wörgl, die ein größeres Arbeitsplatzangebot bieten, auch eine Zunahme der Wohnungen. Lang-kampfen und Kundl sind durch ihre wirtschaftliche Bedeutung der Firmen Sandoz, Stiehl oder Lindner, ebenfalls Gemeinden mit hohen Wohnungszahlen. Des Weiteren ist Brixlegg mit den Montanwerken und hohen Einpendler_innenzahlen ein wichtiger Arbeitgeber für die Region. Mit dem wirtschaftlichen Wachstum einer Gemeinde steigt ein wenig verzögert entsprechend der Bedarf an Wohnraum (vgl. Expert_inneninterview Mariacher). Die Arbeitsorte selbst bieten jedoch überwiegend Wohnraum für die Einpersonenhaushalte, da dort u.a. das Angebot an Ein-bis Zweizimmerwohnungen höher ist. Familien mit Kindern ziehen sich eher in die Wohnorte zurück. Die Arbeitsorte sind ferner gekennzeichnet durch ihre über-wiegend flache Geländeoberfläche (Tallagen) und eine gute und direkte Anbindung an Straße (A12) und Schiene.

Wohnpreise

Bei der Begutachtung der Grundstückspreise für ein- und zweifamilienhaustaugliche Baugrundstücke aus dem Jahr 2017, lässt sich kein klares Bild bezüglich der Preise erkennen. Grundsätzlich liegen die Immobilienpreise in Tirol unter den Top drei in Österreich. Die Baulandpreise für ein- und zweifamilienhaustaugliche Baugrundstücke liegen bei ca. 270 €/m² (vgl. Wiederisch 2017). In über der Hälfte der Gemeinden der Unterinntalfurche sind die Preise damit höher als im Tiroler Durchschnitt (Karte 9).
Die urbanen Gemeinden haben mit Durchschnittspreisen, um die 475 €/m² in Kufstein und ca. 400 €/m² in Wörgl, mit Abstand die höchsten Preise. Dennoch ist der Zuzug der Bevölkerung dort, im Vergleich, am höchsten. Das zeigt, dass der urbane Raum trotzdem für viele ein attraktiver Raum zum Wohnen ist. In Kufstein lassen sich die Preissteigerungen und der Bevölkerungszuwachs u.a. mit der Ansiedelung der Fachhochschule Kufstein erklären (vgl. Expert_inneninterview Steinbacher). Die direkten Nachbargemeinden von Wörgl und Kufstein haben im Durchschnitt niedrigere Grundstückspreise: Kirchbichl und Langkampfen 230 €/m², Ebbs 263 €/m² und Kundl bereits 300 €/m². Wobei auch in diesen Gemeinden für die Zukunft eine Preissteigerung vorhergesagt wird (vgl. Wiederisch 2017).


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