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Kinderbetreuung funktioniert, wenn alle mitspielen!

Jede Familie ist einzigartig in ihrer Zusammensetzung, in ihrer Lebensweise, Meinungen und Ansichten. So individuell wie die Einheit Familie selbst, ist auch die Entscheidung der richtigen Kinderbetreuung: Was für das eigene Kind bzw. die Kinder das Beste ist und wie sich das mit Beruf und verfügbarer Zeit vereinbaren lässt, entscheidet jeder selbst.

Durchaus haben aber der Arbeitsmarkt, das vorherrschende Angebot an Kinderbetreuung, die jeweilige Familiensituation sowie persönliche Einstellungen ihren Anteil an diesen Entscheidungen.

Besonders die Arbeitsmarktsituation wirkt sich auf den Bedarf an Kinderbetreuung aus. Wer arbeitet, der möchte seine Kinder in dieser Zeit gut versorgt und aufgehoben wissen. Verfügbare, flexible, kostengünstige und gut ausgebaute Kinderbetreuung ist gleichzeitig notwendig, damit Eltern überhaupt am Arbeitsleben teilnehmen können.

Wie organisieren Familien aus der Region ihre Kinderbetreuung? Welche Beweggründe stehen dahinter? Wie wird Kinderbetreuung mit dem Arbeitsleben vereinbart, welchen Einfluss haben Möglichkeiten der Kinderbetreuung auf die Arbeitsmarktteilnahme und welche Engpässe treten dabei auf?

Auf diese Fragen antworteten StudentInnen des Instituts für Soziologie der Universität Innsbruck mit ihrer
Studie „Kinderbetreuung im Fokus: Zum Verhältnis von Betreuungsangebot, Arbeitsmarkt und familiärer Praxis“. Befragt wurden dafür Familien mit Kindern im Alter bis zu zehn Jahren in der Region Kufstein und Umgebung, Untere Schranne, Kaiserwinkl (kurz: KUUSK).

“Verfügbare, flexible, kostengünstige und gut ausgebaute Kinderbetreuung ist gleichzeitig notwendig, damit Eltern überhaupt am Arbeitsleben teilnehmen können.”

Wenn Mama nicht wäre …

In der Region KUUSK ist Kinderbetreuung immer noch von Traditionen und der Familie geprägt. Vor allem Kinder unter drei Jahren, hier ist sich der Großteil der Befragten einig, sind in der Familie immer noch am besten aufgehoben. Oft wird die Mutter als
wichtigste Bezugsperson genannt.

Zugleich sind aber viele der Meinung, dass Kinder Zeit mit beiden Elternteilen verbringen sollten. Das Studienergebnis zeigt jedoch, dass dies nur in den wenigsten Familien so gehandhabt wird. Den größten Teil der Betreuungsarbeit leisten die Mütter:
Mit Ausnahmen am Vormittag, wo Kinder in Schulen, Kinderkrippen und -gärten untergebracht sind, übernehmen sie die Hauptbetreuung für die restlichen Tages- und Nachtstunden.

Auch wenn die Kleinen einmal krank sind, sind sie es, die die Krankenpflege zuhause übernehmen. Auf ihren flexiblen Einsatz ist es wohl auch zurück-zuführen, dass es für die Mehrheit der befragten Familien kein Problem darstellt, wenn Betreuungseinrichtung
wegen Ferien oder Brückentagen geschlossen sind.

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Den größten Teil der Betreuungsarbeit in der LEADER-Region KUUSK leisten immer noch die Mütter.

Klassische Rollenverteilung im
21. Jahrhundert

Diese Betreuungsschieflage zwischen den Geschlechtern spiegelt sich auch in der Teilnahme von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt wieder. Laut einer Erhebung der Statistik Austria arbeiten in der Region KUUSK im Durchschnitt rund 60 % der erwerbstätigen Frauen zwischen 25 und 60 Jahren Teilzeit. In der vorliegenden Umfrage der Studie der Universität Innsbruck gibt ein Viertel der befragten Frauen an, nicht berufstätig
zu sein. Mehr als die Hälfte der berufstätigen Mütter arbeitet weniger als 20 Stunden pro Woche. Jedoch arbeiten fast alle Männer Vollzeit, mehr als die Hälfte sogar über 40 Stunden pro Woche.

Dadurch, dass meistens die Mütter zuhause bei den Kindern sind, kommt es nur selten zu Schwierigkeiten in der Vereinbarkeit zwischen Arbeit und Kinderbetreuung. Treten doch einmal Probleme auf, dann agieren viele flexibel. Ein wesentlicher Teil der Befragten
vermisst diese Flexibilität von Seiten der Kinderbetreuungseinrichtungen und Arbeitgebern. Diese zeigen nicht immer Verständnis dafür, wenn man seine Arbeit nicht pünktlich beginnt oder keine Überstunden
leisten kann.

Kostenlose, umfangreichere, flexiblere Kinderbetreuung würde sich auf das Wechselspiel zwischen eben dieser, dem Arbeitsmarkt, der Familiensituation und den persönlichen Einstellungen auswirken. So gab ein Drittel der Befragten an, dass
kostenlose Kinderbetreuung ihre Teilnahme am Arbeitsmarkt verändern würde. Vor allem Frauen könnten dann mehr Stunden arbeiten, was wiederum dazu beitragen kann, Altersarmut – die durch zu geringe Pensionszahlungen entsteht – zuverhindern.

    • Flexibilität ist gefragt

      Flexibilität ist gefragt Laut einer Studie der Statistik Austria können in Tirol nur knapp 25 % der unter Dreijährigen in Krippen und Kindergärten betreut werden. Das liegt deutlich unter der EU-Vorgabe, laut der es für jedes dritte Kleinkind einen Betreuungsplatz geben sollte. Das aktuelle
      Angebot Kinderbetreuungseinrichtungen in der Region KUUSK erfordert es, dass ein Elternteil – meistens die Mutter – die Hauptbetreuung der Kinder übernimmt. Änderung in der Arbeitssituation von Frauen, steigendes Pensionsantrittsalter – dies wirkt sich auch auf die Verfügbarkeit von Großeltern aus –, die Notwendigkeit von Flexibilität und Mobilität sowie Veränderungen in Familien- bzw. Geschlechterverhältnissen können zu Engpässen in der Kinderbetreuung führen. Vor allem am Nachmittag, wo in Tirol rund 53 % der Kindergärten nur bis maximal 15 Uhr geöffnet sind oder an Schließtagen, mit denen Eltern in Tirol bis zu 35,5 Mal im Jahr konfrontiert sind. Der Ausbau des Kinderbetreuungsangebotes wäre hier eine willkommene Alternative.

    • Teamwork: Mama und Papa als Betreuungsteam

      Derzeit wird Kinderbetreuung vor allem von Müttern erbracht. Neben dem Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen könnte als alternative Variante eine größere Involvierung von Vätern in der täglichen Betreuung Mütter unterstützen. Die Studie zeigt, dass das aktuelle Arbeitspensum aber nicht darauf ausgerichtet ist, dass Väter die Betreuung übernehmen. Eine Veränderung der Teilnahme von beiden Elternteilen am Arbeitsmarkt müsste dies ausgleichen.

    • Beschäftigungssituationen modernisieren

      Steigende Arbeitslosenzahlen, mangelnde Arbeitsplatzsicherheit, niedrige Löhne, Teilzeitbeschäftigung, befristete Verträge und Zeitarbeitsverträge üben Druck auf ArbeitnehmerInnen aus. Die derzeit gängige Kinderbetreuungssituation ist eng verzahnt mit traditionellen Beschäftigungssituationen. Sollen Veränderungen im Familien- bzw. Betreuungsmodell stattfinden, erfordert dies eine Anpassung am Arbeitsmarkt. Mögliche Erleichterungen, wie allgemeine Wochenarbeitszeitreduktion oder erleichterte Flexibilität von Müttern und Vätern in deren Arbeitszeitgestaltung können ein wichtiges Puzzleteil in der Neuausrichtung der Kinderbetreuung sein.

      Interessante Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter: www.addendum.org/feminismus/teilzeit/

    Quelle: Statistik Austria

Karin Mumelter
Karin Mumelter Redakteurin "Mit Wissen entwickeln"

Ich bin in Kufstein geboren, aufgewachsen und verwurzelt. Aus diesen Gründen, und auch durch meine ehemalige Beschäftigung als Redakteurin einer regionalen Wochenzeitung, habe ich viel Bezug zur Region und ihren Menschen aufgebaut. Mit meinen Beiträgen auf „Mit Wissen entwickeln“ möchte ich genau dazu beitragen: Wir entwickeln unsere Region weiter.

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